Pferdemensch Dorothea Ronneburg designt mit Centauralstudio nachhaltige Reitbekleidung

Dorothea Ronneburg vermisste Reitbekleidung, die Stil und Alltagstauglichkeit verbindet – also setzte sie ihre eigenen Ideen kurzerhand selbst um. Mit ihrem Label Centauralstudio bringt die Gestalterin ihre Liebe zu Pferden und nachhaltiger Mode in Kollektionen zusammen, die perfekt zum Leben als Pferdemensch passen.

Wer Dorothea Ronneburg begegnet, merkt schnell: Hier trifft künstlerischer Anspruch auf tief verwurzelte Pferdeliebe. Die Innenarchitektin, Bühnen- und Kostümbildnerin und leidenschaftliche Reiterin lebt in der Uckermark in Brandenburg – auf einem Hof mit ihren vier Pferden. Dort ist auch ihr Label Centauralstudio für nachhaltige Mode und hochwertige Reitbekleidung entstanden. „Alles beginnt mit der Liebe zum Pferd“, sagt sie. „Und mit einem Gefühl. Dem zentaurischen Gefühl.“

Wenn ein Pferdemensch nachhaltige Reitbekleidung entwickelt

Der Name des Labels ist außergewöhnlich und eng mit einem ganz besonderen Pferd verbunden, dem ehemaligen Rennpferd Centaural. Dieser langjährige Begleiter ist Namensgeber für Centauralstudio. „Bei uns hieß er immer Lou, aber Centaural, das bedeutet ‚wie ein Zentaur` – klang für die Marke perfekt“, erzählt sie.

2021 begann Dorothea Ronneburg, erste Ideen für Reitbekleidung zu entwickeln. „Im Grunde kann man sagen, dass ich damit versucht habe, alle meine Skills zu bündeln: Innenarchitektur, Bühnen- und Kostümbild. Was ich noch nicht bespielt hatte, war das Feld der Mode. Aber ich habe es mir zugetraut, auch aus meiner Berufserfahrung. Und dazu bin ich ja leidenschaftliche Pferdefrau“, sagt sie.

„Meine Motivation war vor allem, dass es für Reiterinnen keine Mode gab. Es gab vor allem Sport- und Funktionsbekleidung, aber keine Reitbekleidung mit zeitgenössischem Stil.“

Die Brandenburgerin hält ihre Pferde selbst. „Ich habe gemerkt, das ist ein starker Ankerpunkt in meinem Leben. Die Pferde sind Familie!“, sagt sie. Der Alltag als Pferdemensch kollidierte jedoch irgendwann mit ihrem Beruf und sie hat sich überlegt: „Was kann ich machen, damit ich nicht so viel reisen muss?“ Dazu kam ihr Blick auf Reitbekleidung für Damen. „Meine Motivation war vor allem, dass es für Reiterinnen keine Mode gab. Also vor allem Sport- und Funktionsbekleidung, aber keine Reitbekleidung mit Stil. Das war der Impuls, mich daran zu trauen“, sagt sie.

Reitbekleidung als Statement für selbstbewusste Frauen

„Mein erstes Stück war die Reithose Onebreeches“, erinnert sie sich. „Ich fand es reizvoll, diese historische Form zu bearbeiten. Sie hat den Impuls von der britischen Breecheshose mit leicht ausgestelltem Bein am Oberschenkel.“ Die technische Umsetzung überließ sie einer Expertin: „Die Schnittentwicklung hat eine Modedesignerin gemacht, das ist angewandte Geometrie vom Feinsten, das kann ich nicht. Ich entwickle Varianten mit Farbe und Formen“, erklärt sie. So entstand eine Reithose, die funktional ist und Stil mit Geschichte in sich trägt.

„Als Kostümbildnerin habe ich am eigenen Leib erlebt, dass Kleidung wirklich Halt geben kann. Es ist eine Art Selbstermächtigung, sich gut zu fühlen, aufzufallen oder nur ein bisschen auffällig zu sein.“

Für Dorothea Ronneburg ist Reitbekleidung nie nur Textil. „Als Kostümbildnerin habe ich am eigenen Leib erlebt, dass Kleidung wirklich Halt geben kann. Es ist eine Art Selbstermächtigung, sich gut zu fühlen, aufzufallen oder nur ein bisschen auffällig zu sein“, sagt die Gestalterin. „Das ändert Menschen. Ich habe bei der Arbeit im Theater oft gedacht: Wow, was steht da jetzt für eine Frau vor mir.“ Genau dieses Gefühl möchte sie mit ihrer nachhaltigen Mode für Reiterinnen transportieren.

Nicht zuletzt spüren auch Pferde diese Veränderung. „Die Tiere haben eine sensible Wahrnehmung. Wenn ich zufrieden und selbstbewusst auf sie zugehe, reagieren Pferde darauf.“ Sie experimentiert sogar ganz bewusst mit Kleidung im Stall: „Ich habe Tests gemacht, ziehe auch mal ulkiges Zeug an, setze mir Mausohren auf. Und die Pferde finden das auch lustig“, erzählt sie lachend und ergänzt: „Selbstsicherheit – das brauchen sie.“

Nachhaltige Reiterbekleidung: kurze Wege, kleine Serien

Ihr Label Centauralstudio setzt auf Transparenz, regionale Strukturen und langlebige Materialien. Produziert wird in einem Netzwerk aus spezialisierten Betrieben: „Meine Näherei ist in Cottbus, sie arbeitet mit einer polnischen Näherei zusammen“, sagt sie. „Bei der Reithose sind es Spezialnähte, die großes Know-how benötigen. Polen ist von Brandenburg nur ein Katzensprung entfernt und dort gibt es noch Manufakturen, die kleine Auflagen umsetzen. In Deutschland hingegen sind die fast ausgestorben.“

Die Stoffe für Reithose, Jacke und Oberteil sind sorgfältig ausgewählt, oft verbunden mit einer besonderen Geschichte, eben nachhaltige Mode. „Ich verwende zum Teil auch exklusive Essai-Stoffe aus Frankreich, die als Muster und in geringer Menge hergestellt worden sind – eine Art Überhang, aus denen man nur fünf, sechs Jacken machen kann. Meine Serien sind generell nicht groß, es sind erlesene Einzelstücke.“ Entdeckt hat Dorothea Ronneburg den Stoff auf einer Messe in Berlin. „Das war ein Zufallsfund. Wie sich herausstellte, kam die Händlerin auch aus der Uckermark, zu ihrem Lager sind es gerade einmal zehn Minuten von mir. Sie sagt immer, ich habe ihr die schönsten Stoffe herausgekauft.“

Auch bei Reithosen setzt sie auf kurze Transportwege: „Die Hosen sind deutsche Produktion mit definiertem Kord. Es ist wichtig, dass man denselben Stoff nimmt, deshalb kaufe ich Lagerbestände auf. Gerade habe ich hundert Meter Stoff gekauft, daraus bekomme ich 80 bis 90 Reithosen. Bisher habe ich noch nie so viel gemacht, aber die Farbe ist beliebt“, weiß sie.

Von Pferdemensch zu Pferdemensch: Reitbekleidung für Damen

Was ihre Reitbekleidung besonders macht? Sie wird im echten Pferdealltag entwickelt und erprobt. „Erst teste ich Reithose, Jacke oder Oberteil, dann meine Trainerin, andere Reitprofis und Bekannte.“ Die Funktion ist Dorothea Ronneburg wichtig. „Es ist Mode zum Reiten und für jeden Tag und dabei nicht nur für Reiterinnen interessant. Die Oberteile sind sehr robust, manche Kundinnen nehmen sie deshalb auch als Fahrradjacke.“

Die Designerin hat ein klares Bild und setzt sich ganz bewusst für die Sichtbarkeit von Reiterinnen ein.

„Warum haben Männer mit Reitmode kein Problem, während Frauen in der Außenwirkung ein Gar-nicht-vorhanden-Sein signalisieren?“

Seit Jahren beobachtet sie, wie unterschiedlich Männer und Frauen in der Reitszene auftreten und welche Rolle Kleidung dabei spielt. „Wenn man Publikationen übers Reiten aufschlägt, sieht man Männer, die selbstverständlich gut gekleidet sind – mit schicker Weste und Hose, manche tragen einen Hut“, sagt sie. „Die Frauen kommen in der Fleecejacke daher. Da habe ich mir gedacht: Das gibt es doch gar nicht! Warum haben Männer mit Reitmode kein Problem, während Frauen in der Außenwirkung ein Gar-nicht-vorhanden-Sein signalisieren?“ Dorothea Ronneburg hat sich darin selbst wieder erkannt: „Früher war ich bei Reitbekleidung auch bescheidener, dachte mir: Das geht schon, ist nur fürs Reiten, wird ja dreckig. So denken viele Frauen“, erzählt sie.

Der Blick in die Geschichte zeigt, dass das nicht immer so war: „Ende des 19. Jahrhunderts wäre kein Mensch in irgendeiner komischen Kluft aufs Pferd gestiegen. Da wollte man sich präsentieren, saß stolz auf dem edlen Tier. Auch Frauen!“ Zur Zeit von Elisabeth von Österreich kam eine große Reitbewegung aus der Upperclass auf, Frauen mit langem Kleid, Wespentaille und Corsage saßen selbstbewusst im Damensattel. „Es gab die Zeitschrift ‚Die Amazone‘, mit Reitmode für Frauen. Sie sind damals Hohe Schule geritten, im Grunde haben sie das übernommen, was der männliche Adel in der Barockzeit für sich beanspruchte“, erzählt sie.

„Man muss nicht überkandidelt auf dem Pferd aussehen, aber man darf sich schön anziehen.“

In den 1980er Jahren wurde Reiten Breitensport und eine Frauendomäne. „Die Reitklamotte ist vielleicht entstanden, um sich von Dressur- und Sportreitern abzugrenzen. Man geht ins Gelände, braucht praktische Sachen. Dadurch ist der Stil meiner Meinung nach aber etwas verkommen. Man muss nicht überkandidelt auf dem Pferd aussehen, aber man darf sich schön anziehen“, sagt sie und lacht. Mit ihren Schnitten will sie diesen Stolz zurückbringen – als nachhaltige Mode für moderne Pferdemenschen, die Selbstbewusstsein ausstrahlen wollen, ohne auf Funktion zu verzichten.

Neue Modelle für Reitbekleidung und Wanderreitstation

„Meine Ideen kommen mir im Schlaf oder bei einer Autofahrt“, sagt sie. „Wenn Centauralstudio auf zwei Füßen steht – gerade geht viel Zeit in Kommunikation und Marketing –, dann kann ich neue Modelle umsetzen.“ Ihr Alltag als Pferdemensch ist auch Quelle ihrer Haltung gegenüber Pferden und Menschen: „Das Reiten ist so viel mehr als Sport“, betont sie. „Pferde sind mittlerweile Therapiefreunde, Coaches, manche Leute gehen mit ihren Tieren nur spazieren. Ich finde, das ist eine tolle Entwicklung.“

Dorothea Ronneburg bietet auch Pferdetrainingskurse an, bald sollen Reitbeteiligungen für erfahrene Reiterinnen hinzukommen. „Und ich möchte hier in der Uckermark Wanderreitstation werden. Dieses Projekt steckt noch in den Kinderschuhen, aber es ist mein großer Wunsch.“ In der Region ist sie gut vernetzt. „Letztes Jahr habe ich von meinem Hof aus einen Wanderritt zum Pferdehof Jakobshagen mitgemacht. Mit der Besitzerin habe ich bereits über einen Sternenritt gesprochen. Da sind wir in Planung.“

Reitbekleidung mit künstlerischem Anspruch

Fünf Jahre sind seit den ersten Schritten in die Modewelt vergangen. Wie sieht ihr Resümee bisher aus? „Ich habe teilweise wirklich über mich selbst gestaunt, was ich da angefangen habe“, gibt sie zu. „Vom künstlerischen Ansatz in eine Businesswelt einzutauchen – das war neu für mich.“ Was sie antreibt, sind die Reaktionen auf ihre nachhaltige Reitbekleidung: „Die Kundinnen auf Messen verstehen mein Konzept. Meine Mode besteht aus qualitativ hochwertigen Stoffen, und zu jedem Schnitt habe ich mir Gedanken gemacht“, sagt Dorothea Ronneburg und betont: „So etwas macht man nur, wenn man eine Leidenschaft hat.“ Und genau das merkt man jeder Reiterhose, jeder Jacke und jedem Detail ihrer nachhaltigen Mode an – die Verbindung zwischen Mensch und Pferd, zentaurisch eben.

Fotos: Kim Goertz (1, 2) Birgit Schlieps (3, 4, 5)
Text: Karin Reimold