Haffi zieht ein – Familienglück auf vier Hufen

Ein Haflinger macht das Familienglück perfekt – ein Erfahrungsbericht 

Ein eigenes Pferd kaufen? Das hat Familienvater Holger nie für sich gesehen. Doch ein junger Haflinger machte den Pferdeskeptiker zum Fan. Ein Erfahrungsbericht plus Checkliste vor Pferdekauf. 

Haflinger Pferd Walencio ist ein echter Tiroler. Heute lebt er in der Schorfheide. Familie Weise erzählt, worauf man beim Pferde kaufen achten muss.

Ein eigenes Pferd kaufen? Eine Lebensentscheidung 

Eigentlich hatte Familienvater Holger mit Pferden nichts am Hut. Der Brandenburger war sogar eher Skeptiker, wurde als Kind vom Pferderücken geworfen und im späteren Lebenslauf von einem der Tiere getreten. „Wenn mir jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich einmal Pferdebesitzer sein würde, hätte ich vermutlich laut gelacht. Pferde und ich? Keine Zukunft“, erzählt er. 

Doch das war vor der Corona-Pandemie. Im Lockdown folgte er einer Einladung auf den nahegelegenen Reiterhof in der Schorfheide. „Meine Tochter war sofort begeistert. Auf einem Schulpferd longiert, leuchteten ihre Augen – und meine Skepsis begann zu bröckeln.“  

Die Wochenenden verbrachte die vierköpfige Familie auf dem Hof – auch seine Frau Almut entdeckte ihre alte Leidenschaft wieder und saß schnell im Sattel. Und der Wunsch nach einem eigenen Pferd war geboren … 

Der Traum vom Haflinger wurde größer 

Trotz aller Begeisterung entschied sich die Familie zunächst gegen ein eigenes Pferd und für Reitunterricht für Mutter und Tochter, um Pferd, Haltung und Umgang besser zu verstehen. „Wir fanden dafür eine familiäre Reitschule mitten im Biosphärenreservat Schorfheide. Meine Tochter liebte den schnellen Ritt durch die Halle, meine Frau hingegen fand ihre Erfüllung in der Dressur und Bodenarbeit. Ich selbst blieb Beobachter – anfangs“, erzählt er.  

„Ein eigenes Tier bedeutete große Verantwortung. Viele Fragen beschäftigten mich.“ 
– Familienvater Holger 

Nach rund zwei Jahren ergab sich eine neue Gelegenheit: „Das Reitpferd meiner Frau wurde aus dem Schulbetrieb genommen und ihr als Reitbeteiligung angeboten. Wir nahmen das Angebot gerne an – nicht nur aus finanzieller Vernunft, sondern auch, weil es uns eine wertvolle Zeit bescherte.“ 

Doch auch Rückschläge gehörten dazu. Zwei Unfälle mit Pferdefüßen führten zu einem gebrochenen Zeh, einem Bluterguss – und einem zerstörten iPhone. „Dieses Pferd schuldet mir ein neues Telefon“, sage ich heute noch scherzhaft. 

Als die Reitbeteiligung endete, war für Frau und Tochter klar: Ein eigenes Pferd sollte her. „Ich war skeptisch. Ein eigenes Tier bedeutete große Verantwortung – emotional, zeitlich, finanziell. Urlaub, Versorgung, artgerechte Haltung – viele Fragen beschäftigten mich“, erzählt Holger. Und so folgte eine intensive Familienphase mit Gesprächen, Abwägungen, Recherchen. Aber dann: „Es war Weihnachten 2024, als ich zu meiner Frau sagte: Wenn wir das machen, dann mache ich mit!“ 

Ein waschechter Tiroler in der Schorfheide: Hafi zieht ein 

Almut wollte schon immer einen Haflinger, Holger bestand auf ein erwachsenes, eingerittenes Pferd. Also machten sie sich auf die Suche und wurden bald fündig: In Quedlinburg stand ein waschechter Tiroler aus Sankt Sigmund.

„Walli ist ein kleiner Chaot. Er ist auch schon unter einem Zaun durchgeklettert.“ 
– Familienvater Holger 

Zweimal besuchte die Familie den fünfjährigen Haflinger, das dritte Mal kamen sie mit dem Anhänger und nahmen Wallach Walencio mit nach Brandenburg. Im Pensionsstall auf Gut Sarnow hat der Hafi ein neues Zuhause gefunden – und dazu einen vierköpfigen Fanclub.  

„Wir haben im letzten halben Jahr schon viel erlebt. Walli ist ein kleiner Chaot. Wir sagen immer, es ist ein Bergpony. In der Schorfheide haben wir nun keine Berge, aber auf den Hügeln probiert er sich aus. Er ist auch schon unter einem Zaun durchgeklettert“, erzählt der neue Pferdebesitzer, auch mit etwas Stolz. 

Vom Skeptiker zum Pferdefreund lässt sich Holgers persönliche Pferdegeschichte beschreiben. Und wenn, dann richtig – lautet seine Devise.  

Pferdeführerschein im Umgang mit dem jungen Haflinger  

„Die ganze Familie hat an Ostern einen Pferdeführerschein Umgang von der FN gemacht. Mir war das extrem wichtig, einen Fachkundenachweis zu haben, wenn man eine so große Verantwortung für das Tier trägt. Das geht vom Verladen bis zur Bodenarbeit.“ 

Im Sommer folgte der nächste Kurs zum Thema Horsemanship. „Mit der Bodenarbeit habe ich mittlerweile viel Spaß. In diesem Jahr habe ich überhaupt zum ersten Mal ein Pferd geführt. Jetzt kann ich Wali zu mir rufen, ihn rückwärts schicken“, berichtet er begeistert.  

„Auf dem Platz läuft er 2,5 Meter hinter mir, mit dem gehörigen Abstand. Und wenn ich merke, das Pferd läuft mir auf, dann drehe ich mich einmal um, dann bleibt Wali schon stehen und geht auf meine Handbewegung hin einen Schritt zurück. Das sind diese kleinen Erfolge, wenn man ein 500 Kilogramm schweres Pferd bewegen kann.“ 

„Für mich ist der Reiterhof Entspannung pur. Freitags 17 Uhr düse ich da hin, Hauptsache ich kann die Pferde noch von der Koppel in den Stall führen.“ 
– Familienvater Holger 

Für Holger, der im echten Leben Geschäftsführer ist, hat das Thema Körpersprache eine ganz neue Bedeutung bekommen. „Das macht mir unwahrscheinlich viel Spaß, zu sehen, wie Pferde unser Verhalten spiegeln und auf unsere Körperhaltung entsprechend reagieren.“ Selbst in den Sattel steigen will er bisher nicht. „Mein Fokus ist die Versorgung. Ich kann mein Pferd von der Koppel holen, es füttern, putzen, Hufkrankheiten erkennen und ich weiß auch, welche Pflanzen Wali auf der Wiese nicht fressen sollte.“ 

Haflinger erobert Hof und Herzen   

Die Familienbande ist nach fast einem Jahr ein eingespieltes Team. „Wali kommt jetzt auch in der Rangfolge der Wallachherde gut klar, ist mittlerweile im gesunden Drittel“, sagt der Pferdebesitzer. 

Auf der Aktivweide sind die Pferde jeden Tag 12 bis 14 Stunden draußen. Viermal in der Woche kommt Holger oder jemand aus seiner Familie zu Besuch, einmal in der Woche gibt es einen Beritt von einem Profireiter. „Für mich ist der Reiterhof Entspannung pur. Freitags 17 Uhr düse ich da hin, Hauptsache ich kann die Pferde noch von der Koppel in den Stall führen. Alleine das bringt mich schon so runter“, erklärt der Geschäftsführer.   

Das erste eigene Pferd ist ein Abenteuer. Holger hat mit seinem Hafi die richtige Entscheidung getroffen. Er empfiehlt jedoch, diese niemals leichtfertig zu treffen. „Meine Frau und meine elfjährige Tochter waren nie skeptisch. Aber wenn man es mal hochrechnet, begleitet Wali uns die nächsten 25 Jahre. Das ist finanziell wie ein drittes Kind und eine Entscheidung fürs Leben. Aber die ist Goldwert. Die Zeit, die ich mit meiner Familie und Wali gerade erlebe, will ich nicht missen“, betont er. 

Die Hafi-Familie hat Gefallen am Hofleben gefunden, schätzt die Achtsamkeit und Umsichtigkeit, die Gemeinschaft. „Man hilft hier einander. Wir fühlen uns alle sehr gut aufgehoben, manchmal wie im Paradies“, schwärmt der Familienvater und hat das passende Bild dazu: „Wenn zehn Pferde im Mai das erste Mal auf die sattgrüne Sommerweide galoppieren, lausche ich dem Geräusch der Hufe, dem Wiehern und sehe unseren Wali mit den anderen nach – fast bis zum Horizont. Das fühlt sich schon so an wie Dallas früher.“  

Checkliste Pferdekauf zum Abhaken: Worüber sprechen, was organisieren 

Die Familie hat sich vor dem Kauf intensiv vorbereitet und folgende Punkte durchdacht – hier eine Checkliste zum Abhaken. 

  1. Zeit & Organisation 
  2. Wie viel Zeit steht der Familie zur Verfügung?  
  3. Wer kümmert sich im Urlaub oder bei Krankheit? 
  4. Benötigt das Pferd zusätzlichen Reitunterricht zur professionellen Ausbildung?  
     
  5. Haltung & Standort 
  6. Wo soll das Pferd stehen? 
  7. Welche Form der Haltung ist geeignet – Offenstall oder Box mit Weidegang? 
  8. Welche Versorgung ist vor Ort gewährleistet? 
  9. Welche fachliche und tierärztliche Unterstützung ist vorhanden (Hufschmied, Physiotherapeut etc.) 
     
  10. Pferdeauswahl 
  11. Welches Alter und welche Rasse passen zu den Familienmitgliedern, die mit dem Pferd arbeiten möchten?  
  12. Welche Größe ist für beide Reiter geeignet? 
     
  13. Finanzielles & Versicherungen 
  14. Monatliche Kosten: Einstellkosten im Pensionsstall, zusätzliches Futter, Sattel, Equipment für den Reiter und das Pferd, Tierarzt, Physiotherapie, Reitunterricht, Pferdeberitt, Zahnarzt, Hufschmied und Impfkosten 
  15. Versicherungen: Haftpflicht, Krankenversicherung 
  16. Wie und wo muss das Pferd gemeldet werden? Stichwort Tierseuchenkasse, FN

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