Das eigene Pferd – Traum oder Albtraum?

IMG_4509Manche Eltern können ein Lied davon singen: Ihr Kind möchte ein eigenes Pferd. Und auch viele erwachsene Reiter träumen vom eigenen Pferd. Doch allzu oft wird dabei unterschätzt, welche Verpflichtungen und welche Kosten damit verbunden sind. Das musste auch Lisa erfahren…

Es war Liebe auf den ersten Blick“, gesteht Lisa. Vor einigen Jahren kaufte sie Balu, ein Schulpferd von einem Stahnsdorfer Reitstall, vom Fleck weg. Es sollte wegen eines schadhaften Vorderbeines aus dem Schulbetrieb genommen werden. Balu erfüllte die Bedürfnisse für sie als Freizeitreiterin perfekt. „Mir war allerdings nicht bewusst, welche Verantwortung ich mir aufbürdete, als ich mich aus Mitleid zum Pferdekauf entschloss“, sagt sie heute.
„Der Kaufpreis stellte das geringste Problem dar, denn ich bekam das Pferd zum Schlachtpreis“, so Lisa. Als medizinischer Laie ließ sie vom Tierarzt eine Ankaufsuntersuchung für Balu erstellen. Seine Rechnung war der erste „Schock“. Hinzu kam Balus „Erstausstattung“: „Sämtliche Hilfsmittel, die normalerweise der Schulbetrieb zur Verfügung stellt, musste ich jetzt aus eigener Tasche erwerben. Ich benötigte einen ordentlichen Sattel und passendes Zaumzeug und lernte, dass ein Pferd verschiedene Decken braucht. Also versorgte ich Balu mit einer Regendecke, einer für die Weide und einer Abschwitzdecke.“ Auch die Kosten für Longiergurt und -gerte, Gamaschen und Putzzeug sind finanziell nicht zu unterschätzen.
„Bei einer Reitbeteiligung wären diese Anschaffungen nicht auf mich zugekommen, denn ich hätte mich quasi auf ein ausgestattetes Pferd gesetzt“, erzählt Lisa. Dabei wird individuell ausgehandelt, an welchen Kosten man sich beteiligt. Manche zahlen einen Fixbetrag und dürfen das Pferd dafür ein- oder zweimal die Woche reiten, andere beteiligen sich an Stall-, Futter- oder Tierarztkosten. Als Reitbeteiligung hat man sich allerdings nach den Wünschen des Pferdebesitzers zu richten, was mitunter zu Spannungen führen kann.
„Die nächste große Herausforderung war die Suche nach einem geeigneten Stall“, erinnert sich Lisa. „Ich entschied mich für Einzelboxhaltung, weil mein Pferd das aus seinem alten Stall gewohnt war.“ Etliche Reitställe verfügten nur über eine winzige Halle oder besaßen nur Außenplätze. Sie entschied sich für eine Anlage mit Halle, weil sie das von ihrer Zeit auf dem Schulreitbetrieb schätzen gelernt hatte, und nahm eine längere Anfahrt in Kauf, um Balu einen hellen, geräumigen Stall mit Außenkoppeln zu ermöglichen. Zur monatlichen Stallmiete musste sie noch die Kosten für Zusatzfutter, Hufschmied und Tierarzt einrechnen. Lisa wollte auf Nummer Sicher gehen: „Ich habe mir gleich zu Beginn einen Betrag zur Seite gelegt, um auf Unvorhergesehenes vorbereitet zu sein. Bereits eine Erkältung kann ja Kosten von einigen Hundert Euro verursachen.“ Bei ernsthaften Erkrankungen oder einem Transport in die Tierklinik sind die Reserven schnell aufgebraucht. Lisa war täglich mindestens drei Stunden bei ihrem Pferd. „Meiner Erfahrung nach das Minimum, will man dem Pferd annähernd gerecht werden und es ordentlich bewegen.“ Als sie Balu nach einigen Jahren aufgrund seines schadhaften Beines nicht mehr reiten konnte, entschied sie sich für die Reitbeteiligung an einem anderen Pferd. „Einerseits entlastete mich dieses Arrangement finanziell und ließ mir gleichzeitig trotzdem das Gefühl, quasi ein eigenes Pferd zu reiten.“

INFOS

PFERDEKAUF
Beim Kauf eines Pferdes bestimmen Rasse, Abstammung und Ausbildungsstand sowie das Alter und die Wettkampferfahrung den Preis. Für ein Pony oder ein noch nicht sehr weit ausgebildetes Freizeitpferd muss man etwa 1.000 bis 3.000 Euro ausgeben. Ein gut ausgebildetes Freizeitpferd,das für Dressur, Vielseitigkeit oder Springen geeignet ist, kann deutlich mehr kosten.

UNTERSTELLEN
Die Höhe der Stallmieten steigt in der Regel mit der Nähe zu Berlin. So kann man in ländlichen Regionen auf einem kleinen Hof ohne Reithalle für eine Box mit Basisverpflegung und Ausmisten unter 200 Euro zahlen, im Berliner „Speckgürtel“ aber auch weit mehr als das Doppelte. Wer sich selbst ums Füttern und Misten kümmert, kann Geld sparen. Größe und Komfort der Boxen und die Angebote des Hofes (z.B. eine eigene Reithalle) wirken sich auf den Preis aus. Im Internet gibt es zahlreiche Portale, die Unterstellmöglichkeiten anzeigen, zum Beispielwww.quoka.de

VERSICHERUNGEN
Eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung kostet etwa 6 bis 20 Euro pro Monat. Ratsam ist auch eine Krankenversicherung für das Pferd: 35 bis 55 Euro pro Monat. Eine OP-Versicherung kostet ab 12 Euro im Monat.

HUFSCHMIED
Alle acht bis zehn Wochen kommt der Hufschmied bei einem nicht beschlagenen Pferd, alle sechs bis acht Wochen bei einem Pferd mit Hufeisen, vorausgesetzt der Huf ist nicht verletzt oder das Eisen lose. Bei einem Barhufer werden monatlich etwa 35 Euro fällig, bei einem Pferd mit Eisen ab 60 Euro.

TIERARZT
Zwei Wurmkuren im Jahr sind Pflicht. Oft wird eine Gemeinschaftsaktion im Stall durchgeführt, dann zahlt man nur für das Medikament 10 bis 15 Euro und verabreicht es dem Pferd selbst. Eine Auffrischungsimpfung gegen Influenza und Herpes ist jedes halbe Jahr fällig, gegen Tetanus alle ein bis zwei Jahre, gegen Tollwut einmal im Jahr. Die Doppel-Impfung gegen Influenza und Herpes kostet etwa 45 Euro. Eine Tetanus-Impfung kostet etwa 40 Euro. Einmal im Jahr sollte auch der Zahnarzt eine Kontrolluntersuchung durchführen. Das kostet etwa 20 Euro, dazu kommen die eventuellen
Behandlungen.

ZUBEHÖR
Ein neuer Dressursattel kann 1.000 bis 3.500 Euro kosten. Gute Gebrauchte gibt es deutlich günstiger. Ein Ledertrensenzaum mit Gebiss kostet zwischen 75 und 130 Euro. Dazu Gamaschen, Bandagen, Decken, Halfter, Führstrick, Pflege- und Putzmittel – zusammen etwa 200 bis 350 Euro.

REITBETEILIGUNG ALS ALTERNATIVE?
Für eine Reitbeteiligung, bei der sich zwei oder mehrere Personen den Unterhalt für ein Pferd teilen, zahlt man in der Regel ab 50 bis etwa 150 Euro im Monat. Es empfiehlt sich eine schriftliche Vereinbarung, damit es nicht zu Missverständnissen und späteren Streitigkeiten kommt. Vertragsmuster finden sich im Internet, z.B. unter www.pferderecht-wissen.de